18871941
Vorhandene Filme:
5 seit 1924
Geschlecht:
männlich
Geburtstag:
1887-12-28
Geburtsort:
Frankfurt am Main, Germany
Todestag:
1941-07-15 (53 Jahre)
Sterbeort:
Berlin, Germany
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    Walter Ruttmann
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Walther Ruttmann war ein deutscher Filmschaffender und neben Hans Richter der bedeutendste Vertreter des deutschen abstrakten Experimentalfilms.

Biografie

Walther Ruttmann wurde am 28. Dezember 1887 als Sohn eines Kaufmanns in Frankfurt am Main geboren. Dort besucht er das humanistische Goethe-Gymnasium, spielt Cello und macht 1905 das Abitur. Ab 1906 beginnt Ruttmann in Zürich Architektur zu studieren, was er jedoch bald wieder abbricht. Er zieht nach München und will Maler werden. 1909 ist er an der Akademie in München Teilnehmer der Malklasse von Professor Angelo Jank. Er studiert bei Hermann Gröber und ist mit Klee und Feininger befreundet. Auch seinen musikalischen Neigungen geht er weiterhin nach und spielt mit einem Freund in Schwabinger Caféhäusern. In Marburg erhält er bei Otto Ubbelohde eine zusätzliche Maler-Ausbildung. Ruttmann etabliert sich als Maler, gewinnt Preise bei Plakatwettbewerben, und kann so bis 1914 gut von den Einkünften aus seiner Kunst leben. In Ruttmanns nur fragmentarisch erhaltenem malerischem Frühwerk zeigt sich eine starke Tendenz von einer anfangs naturalistischen Malweise zu fortschreitender Abstraktion und Reduktion.

Im August 1914 wird Ruttmann eingezogen und als Artillerie-Leutnant und Gasschutz-Offizier an der Ostfront eingesetzt. Er leidet stark unter dem Kriegsgeschehen. Während des Stellungskriegs musiziert, malt und zeichnet er – und wird zunehmend unzufrieden mit den Begrenzungen, die der Malerei aufgrund ihrer Statik innewohnen. 1917 kehrt Ruttmann als Kriegsgegner nach Deutschland zurück.

Am 16. März 1918 heiratet Ruttmann Maria Sommer und zieht mit ihr nach Wasserburg am Inn. Dort geht er weiter seiner Malerei nach. Kurz darauf stirbt Maria Ruttmann. Die Trauer um seine Frau macht Ruttmann für lange Zeit arbeitsunfähig.

Der Versuch, Bewegung in seine Bilder zu bringen, führt Ruttmann schließlich konsequent zum Medium Film, das er zunächst rein optisch, als bewegtes Bild, auffasst. Für Ruttmann sind Geschwindigkeit und Tempo die Hauptmerkmale seiner Zeit, und dieses Phänomen verlangt eine entsprechende künstlerische Form, eben die Kinematographie. Ruttmann möchte die Bewegung an sich darstellen, das Medium dazu ist der abstrakte Film. Seine Gedanken schreibt er 1919/20 in dem Aufsatz “Malerei mit Zeit” nieder. Gleichzeitig beginnt er mit der Arbeit an seinem ersten Film.

“Ich zog mich in meine Dachkammer nach München zurück, kaufte mir ein Lehrbuch der Kinematographie und fing an, Bewegungsstudien mit der Kamera zu treiben. Zumeist war es ein abstraktes Formenspiel von Kreisen und Linien, deren in der Bewegung miteinander kämpfende und sich harmonisch vereinende Figuren mich zu immer neuen optischen Visionen verlockten.”

Er arbeitet in einer Scheune in Berg am Starnberger See, gründet die “Ruttmann-Film G.m.b.H.” mit Sitz in München, und konstruiert einen Tricktisch, der mit hintereinander liegenden durchsichtigen und beweglichen Bildplatten funktioniert, und den Ruttmann sich patentieren lässt.

Am 27. April 1921 findet schließlich in Berlin die öffentliche Uraufführung des 12minütigen Lichtspiels Opus 1 mit musikalischer Untermalung von Max Butting statt – die erste öffentliche Vorführung eines abstrakten Films in Deutschland überhaupt.

1922 wird Lichtspiel Opus 2 in Frankfurt uraufgeführt. In Folge arbeitet Ruttmann mit Julius Pinschewer zusammen. Es entstehen abstrakte, mehrfarbige Werbefilme. Er lernt Oskar Fischinger kennen, der Ruttmann für seine tricktechnische Erfindung, eine Wachsschneidemaschine, mit der abstrakte Objekte mit sich verändernden Formen aufgenommen werden können, begeistern kann. Diese Maschine benutzt Ruttmann bei Lotte Reinigers Film Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926), für den er die Hintergründe erstellt. Lotte Reiniger vermittelt ihm auch den Auftrag von Fritz Lang, für dessen Nibelungen-Film den Falkentraum als Tricksequenz herzustellen.

Allmählich wird Ruttmann jedoch unzufrieden, mit ausschließlich abstrakt und künstlich im Studio erzeugten Filmen, in denen lediglich Linien und Flächen bewegt werden, zu arbeiten. Er denkt daran, mit gegenständlichen Motiven ähnliche Wirkungen zu erzielen. Zudem sucht er ein größeres Publikum. Es entsteht die Idee zu Ruttmanns bekanntesten Film, Berlin. Die Sinfonie der Großstadt.

“Während der langen Jahre meiner Bewegungsgestaltung aus abstrakten Mitteln ließ mich die Sehnsucht nicht los, aus lebendigem Material zu bauen, aus den millionenfachen, tatsächlich vorhandenen Bewegungsenergien des Großstadtorganismus eine Film-Sinfonie zu schaffen”, schreibt Ruttmann.

Für dieses Projekt arbeitet er mit dem Drehbuchautor Carl Mayer zusammen, der ebenfalls ermüdet war von den Beschränkungen und der Künstlichkeit der Studios. Zur gleichen Zeit schwebt bereits die Idee des dokumentarisch basierten Großstadtfilms in der Luft. 1921 entwirft Laszlo Moholy-Nagy ein nie verwirklichtes Projekt mit dem Namen “Dynamik der Großstadt”. 1926 porträtiert Alberto Calvacanti Paris in dem Film Rien que les heures, 1927 drehen Mikhail Kaufman und Ilya Kopalin den Film Moskau.

Die Dreharbeiten zu Ruttmanns Berlin. Die Sinfonie der Großstadt beginnen 1926 mit Karl Freund als Kameramann. Die Aufnahmen erstrecken sich über Monate. Der Film wird ein großer Publikumserfolg, erhält jedoch auch viele kritische Stimmen. Ruttmann wird mangelndes soziales und politisches Engagement vorgeworfen; der Film gebe die Stadt Berlin inadäquat wieder.

Ab 1928 wendet sich Ruttmann dem Tonfilm zu. Für den deutschen Rundfunk dreht er den Werbefilm “Tönende Welle”, ein Ton-Film-Experiment, bei dem Ruttmann seine Montagemethode auf den Tonfilm anwendet. Die Uraufführung findet bei der Berliner Funkausstellung 1928 statt. Der Film ist bis heute verschollen. Die Ästhetik für den Tonfilm entwickelt Ruttmann konsequent aus seinen bisherigen Filmen weiter: der Ton soll das Bild nicht begleiten, sondern eine gleichwertige Funktion erfüllen und eigene Schwerpunkte setzen, einen optisch-akustischen Kontrapunkt darstellen.

1929 entsteht Melodie der Welt, ursprünglich als Werbefilm für die Hamburg-Amerika-Linie konzipiert. Hier verwendet Ruttmann (zum großen Teil nicht von ihm selbst gedrehtes) Filmmaterial aus aller Welt, inszeniert einige Szenen im Studio nach, und montiert kontrapunktisch Originalton und Begleitmusik dazu. Der Film ist jedoch keine Reisereportage, sondern eine Reihung von Motivgruppen über Themenkomplexe wie Architektur, Verkehr, Religion, Krieg und Arbeit, als Überblick über die Menschheitsgeschichte.

Walther Ruttmann setzt sich immer wieder für den Film als autonome Kunst ein, der unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen sein soll. So ist er Mitte 1930 in Berlin Gründungsmitglied der “Deutschen Liga für unabhängigen Film.”

1930 entsteht Weekend, ein 11minütiges Hörspiel, das aus montierten Tonfilmaufnahmen im Tri-Ergon-Verfahren besteht.

Es folgen Aufenthalte in Paris und verschiedene kleinere Filmprojekte, wie z.B. ein Aufklärungsfilm über Geschlechtskrankheiten (Feind im Blut, 1931). 1932 dreht Ruttmann in Italien Stahl nach der Novelle von Luigi Pirandello “Acciaio”. Stahl ist eine Kombination aus einem “sinfonischen” Film über die Arbeit in einem Stahlwerk und einem eher konventionellen Drama, das Ruttmann hauptsächlich mit Laienschauspielern inszeniert.

1933 kehrt Ruttmann nach Deutschland zurück, das er trotz der politischen Situation, mit der er nicht einverstanden ist, als sein Heimatland ansieht, in dem er seine schöpferische Kraft entfalten kann. Er dreht für Leni Riefenstahl eine aufwendige Rahmenhandlung für Triumph des Willens, die jedoch nicht verwendet wird. Ab 1935 ist er Angestellter der co:15 und erhält kleine Regieaufträge. Er produziert einige linientreue Werbe- und Industriefilme und isoliert sich künstlerisch und persönlich mehr und mehr. Am 15. Juli 1941 stirbt Walter Ruttmann in Berlin an den Folgen einer Embolie.

Quellen

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