Die Entwicklung des Kriminalfilms

 

Entwicklung des Genres

Die ersten Kriminalfilme gab es zu der Zeit der Stummfilme. In den 1910er Jahren sind die ersten Kriminalfilmserien im Kino zu sehen, die sich an Kriminalserien in Zeitschriften orientieren. Als der erste Kriminalfilm gilt Histoire d’un crime (1901) von Ferdinand Zecca. Mit der Einführung des Tonfilms berichtet einerseits die “Wochenschau” von realen Kriminalfällen, andererseits werden auch fiktionale Kriminalgeschichten erzählt.

Die ersten Filme des Genres spielen in Großstädten und machen diese auch explizit zum Thema: nur in dem Großstadt-Dschungel könnten diese kriminellen Milieus entstehen. Der spätere Kriminalfilm nimmt davon Abstand und macht die gegensätzliche Aussage, dass ein Verbrechen immer und überall geschehen könne und eben auch genau dort, wo man es nicht vermuten würde.

In Folge des Börsencrashs von 1929 ging ein Teil des amerikanischen Optimismus verloren. Diese Stimmung trug in den dreißiger Jahren zur Entstehung des Subgenre Gangsterfilm bei. Zeitgleich werden in Europa einzelne Kriminalfilme gedreht, wie M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) von Fritz Lang. Der Film war unter anderem auch eine Hommage an den berühmten Kriminalbeamten Ernst Gennat (1880–1939), da der unkonventionelle Kriminalkommissar Karl Lohmann ihm nachempfunden wurde. Die Figur des Karl Lohmann spielt auch eine der Hauptrollen in Langs Film Das Testament des Dr. Mabuse, ebenfalls dargestellt von Otto Wernicke.

In den vierziger und fünfziger Jahren entwickelte sich der Film Noir, der für eine ganz bestimmte Art von Filmen steht. Er bezeichnet die “Schwarze Serie”, eine Reihe amerikanischer Kriminalfilme der vierziger und fünfziger Jahre, die von der Weltwirtschaftskrise und den Kriegserfahrungen der Amerikaner geprägt wurden. Neue Elemente sind der Anti-Held, die Femme Fatale und die insgesamt düster gehaltene Atmosphäre der Filme. 1942 wurde auch der Klassiker Casablanca von Michael Curtiz gedreht: er wird zum Film noir gezählt, erhält aber nur Elemente des Kriminalfilms.

Die sechziger Jahre bedeuten eine Veränderung des Genres, da sich die Produktion auch nach Europa verlagerte. In Frankreich entstanden in den sechziger Jahren zahlreiche Kriminalfilme (Außer Atem) und Gangsterfilm wie die Filme Le Samourai (1967) und Le cercle rouge (1970) von Jean-Pierre Melville.

In den 1970er Jahren wurde das Genre des Kriminalfilms zunehmend kritischer. Die Filme brachten Kritik an der Gesellschaft an, die nicht mehr in der Lage sei Verbrechen zu bekämpfen und vorzubeugen. Die Gesellschaft legitimiere deswegen professionnelle Killer sich den Verbrechern mit ihren Mitteln anzunehmen. In Filmen wie Dirty Harry (1971) oder Ein Mann sieht rot (1974) wird eine Gesellschaft entworfen, in der nicht das Recht, sondern der Stärkere siegt:

Nicht die Polizei, sondern das Recht des Stärkeren schuf neue Ordnungen und neue Selbstverständlichkeiten, selbst Morde wurden einfach hingenommen (Pulp Fiction, 1994).1

Andererseits wurde aber auch Kritik an der Institution der Polizei geübt, die vermehrt von Korruption, Inkompetenz und Verbrechen in den eigenen Reihen betroffen war. Dieses Problem wurde vor allem in den amerikanischen Gangsterfilm und in späteren Polizeifilm thematisiert.

Obwohl die amerikanischen Kriminalfilme in der Überzahl sind, gab es immer auch in Europa (Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien) und dem Rest der Welt (China, Indien) Vertreter des Genres. Die nationalen und regionalen Besonderheiten und Kulturen haben das Genre auf unterschiedliche Art und Weise geprägt und weiterentwickelt. In Großbritannien wurde 1974 beispielsweise der gleichnamige Mord im Orientexpress (Agatha Christie) verfilmt.

Weitere Informationen im Internet

Filmgeschichte auf 35 Millimeter.de

Quellen

  • Hickethier. Filmgenres. Kriminalfilm. Stuttgart: Reclam, 2005. S. 11-39

1 Hickethier. Filmgenres. Kriminalfilm. Stuttgart: Reclam, 2005. S. 33